Kisslinger x Tirol - Glasbläserei aus Rattenberg

Kisslinger x Tirol - Glasbläserei aus Rattenberg

Im Zuge unserer Eventreihe „Mit Sorgfalt gemacht. Weitergedacht.“ besuchte uns am Dienstag, 15. September 2026, Hannes Kisslinger von der Glasbläserei Kisslinger in Rattenberg – jenem Familienbetrieb, in dem uraltes Handwerk mit innovativen Verfahren verschmilzt und so aus einem „glühenden Nichts“ ein „wunderbares Etwas" entsteht. Er erzählte, wie mit viel Liebe und großer Kunstfertigkeit seit rund 400 Jahren in Rattenberg in Tirol Trinkgläser, Karaffen und andere gläserne Kunstwerke erzeugt werden.

Ein bissl Herzblut

Quarzsand, Flussmittel und einen Stabilisator – dieser drei Komponenten bedarf es, um aus staubigen Rohstoffen gläserne Kreationen werden zu lassen. Und „natürlich braucht es auch ein bissl Herzblut“, wie Hannes Kisslinger ergänzt. Er ist Chef des traditionsreichen Tiroler Glasunternehmens mit Sitz in Rattenberg – das nicht nur für seinen charmanten mittelalterlich-historischen Kern, sondern seit dem 17. Jahrhundert vor allem auch für das hier erzeugte und veredelte Glas bekannt ist.

Honiggleiche Konsistenz

In seinem Betrieb in Rattenberg steht das Zentrum des Geschehens: der Schmelzofen. Im Inneren herrschen 1200 Grad – jene Temperatur, die nötig ist, um Sand, Pottasche und Kalk zu Glas zu schmelzen. Die Glasbläser manövrieren hier eine orange-rot-glühende Masse aus dem Ofen und setzen sie auf ein etwa eineinhalb Meter langes Stahlrohr - die sogenannte Glasmacherpfeife. Sie ist das wichtigste Instrument des Glasbläsers. Diese führt der Glasbläser an die Lippen und bringt sie mit beiden Händen gekonnt in Rotation. Das Kölbl, wie die erste Luftblase genannt wird, bildet den Ausgangspunkt für sämtliche Produkte im Hause Kisslinger. „Das ist es, was mich am meisten fasziniert – diese Viskosität, wenn das Glas so rot glüht, dann schaut es fast schon magisch aus und bietet nahezu unendliche Möglichkeiten zur Formgebung“, erklärt Hannes Kisslinger.

Weiter erklärt er: „Der Glasbläser muss immer Herr der Lage sein, damit er das Glas beherrscht und nicht umgekehrt. Bei einer Temperatur zwischen 1000 und 700 Grad hat das Material die viskose Konsistenz von Honig und lässt sich nahezu in jede gewünschte Form bringen, danach geht es in den festen Zustand über, die Formgebung muss also bei 700 Grad abgeschlossen sein“. Im Anschluss wandert das Werkstück in den Kühlofen, wo es langsam abgekühlt wird – würde dies zu schnell geschehen, droht das Material zu springen. 

Auch Skulpturen und Kunstwerke entstehen in Rattenberg aus einem gläsernen Feuerball aus dem Ofen. Zwar machen Skulpturen und Kunstwerke im Vergleich zu gläsernen Gebrauchswaren nur mehr einen Bruchteil der Arbeit der Glasbläser aus, dies tut der Vielfalt der auf über 2000 m2 Ausstellungsfläche zur Schau gestellten Werke aber keinen Abbruch. 

Skulpturen aus Glas und Glasschleiferei bei Kisslinger in Tirol

Die Bandbreite von der Glasherstellung bis zur Veredelung durch Gravur oder Bemalung zeichnet Kisslinger aus. Auf die Frage, wo Kisslinger-Gläser zwischen industriell gefertigter, günstiger Massenware ihren Platz finden, erwidert der Chef: „In großen Möbel- und Warenhäusern bekommt man durchaus ordentliche Gläser. Unsere Produkte zeichnen sich jedoch durch handwerkliche Qualität und die damit verbundene Individualität aus – wir können auch ganz kleine Serien mit nur ein paar Stück und genau nach Kundenwunsch fertigen“, so Kisslinger. Waren früher opulent verzierte Gläser gefragt, geht der Trend heute in Studiomalerei und Glasschleiferei klar zu schlichteren Designs. Man muss sich ständig weiterentwickeln und der Industrie im Grunde immer einen Schritt voraus sein.

Weiters erklärte Hannes Kisslinger uns auch, wie ein Glas geformt sein muss, um den Geschmack seines Inhaltes optimal zur Geltung zu bringen – da war die Rede von „ausreichendem Körper“ und „Kaminwirkung“, die den Duft eines Weines konzentriert zur Nase bringt. Seine Begeisterung dafür und vor allem für das Material Glas ist in seinen Augen während des gesamten Gesprächs klar erkennbar. 

Klar nach dem Motto „Mit Sorgfalt gemacht. Weitergedacht“ gab Hannes Kisslinger einen Interessanten Einblick in seine Arbeit, in sein Unternehmen und in die Zukunft der Glasbläserei. 



Hannes Kisslinger von Glaserei Kisslinger in Rattenberg

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